HIER klicken wenn sie keine Frames sehen
 

Chronik der TU-134-Staffel

zurück

Mit der Gründung der TU-134 Staffel wurde durch die .INTERFLUG der Schritt in das Zeitalter der Turbinenstrahlflugzeuge getan. Die TU-134 war schnittig und schnell. Im Vergleich zur IL-18 und AN-24 war es der Rennwagen unter den Flugzeugen der .INTERFLUG. Mit den Bestuhlungsvarianten 74 Plätze (Standard) und später 68 Plätze (Charter für die DLH im innerdeutschen Verkehr) war sie gut für Reisegruppen geeignet. Da eine Reisegruppe meist aus ca. 30 Personen bestand, konnte die TU-134 zwei Reisegruppen aufnehmen und war damit im Charterverkehr gut auszulasten und somit ein Verkaufsschlager. Dieses Segment ist auch heute wieder gefragt, da der Flug mit den Großraumflugzeugen wie B-747, nicht allen Bedingungen der Luftfahrt gerecht werden kann. Die TU-134 hätte heute keine Chance mehr unter den modernen Flugzeugen. Lange haben die .INTERFLIEGER auf ein Nachfolgemodel gewartet, die TU-204. Dies Flugzeug ist aber erst nach dem Ende der .INTERFLUG mit der Hilfe von westlicher Technologie fertig gestellt worden (Avionik und Triebwerke). Die Geschichte der TU-134 Staffel ist eng mit der gesellschaftlichen Entwicklung der DDR verbunden und kann nur in diesem Kontext verstanden werden. So war jeder gesellschaftliche Höhepunkt ebenfalls bei der .INTERFLUG Anlass, Initiativen im sozialistischen Wettbewerb zu starten und bei internationalen Aktivitäten war die .INTERFLUG zum Teil mit dem Transport beauftragt. Unter der Flagge der .INTERFLUG flogen auch TU-134 Maschinen, welche nicht der TU-134 Staffel angehörten. So gab es eine Fluggruppe X, welche dem Ministerium des Inneren angehörte und dessen Personal bei Bedarf durch .INTERFLIEGER  aufgestockt wurde. Und es gab die Regierungsstaffel der DDR, in der es auch Maschinen des Typs TU-134 gab, die in .Marxwalde stationiert waren. Das Personal flog unter der Flagge der .INTERFLUG und trug bei Einsätzen die Uniform der .INTERFLUG. Beide fliegerischen Einheiten hatten ihre eigenen Aufgabenstellungen, flogen aber bei Bedarf (Erhalt der Qualifikation oder Maschinen und Personalmangel bei der .INTERFLUG) auch für die INTERFLUG im Linieneinsatz.
 

Das Jahr 1968

Als im Jahr 1968 bei der .INTERFLUG der Entschluss zum Kauf der TU-134 gefasst wurde, besaß die .INTERFLUG nur PTL-Flugzeuge vom Typ AN-24 und IL-18. Also lagen weder Erfahrungen über den Betrieb von Strahlflugzeugen allgemein, noch von Flugzeugen des Konstruktionsbüros .Tupolew vor. Die gewonnenen Erfahrungen bei der Ausbildung auf den Typ AN-24 im Jahre 1964, führte dazu, dass man sich entschloss, nur eine Gruppe von Instrukteuren  zur Anfangsausbildung nach .Uljanowsk (heute .Simbirsk- Stadt der sieben Winde) zu schicken.

Die Ausbildung auf die TU-134 fand vom 3.8.1968 bis zum 19.10.1968 an der Fliegerschule der .Aeroflot statt und die Gruppe der Instrukteure bestand aus folgenden Mitgliedern:

Fluglehrer .Heinig, .Rolf (Delegationsleiter)
.Sachse 1,.Dieter
.Petzold,.Klaus
Lehrer für Navigation .Thieme,.Wolfgang
.Gündel,.Eberhard
Dolmetscher .Redkodubski,.Rita
.Knacke,.Annemarie

Die Fluglehrer waren nicht das erste Mal in Uljanowsk und wurden dort wie alte Bekannte empfangen. Daher kannten sie natürlich auch schon einige Lehrer wie:

Frau .Sokova Lehrerin für Aerodynamik
Herr .Mogunov Lehrer für Konstruktion/Zelle
Herr .Krjukov Lehrer für Triebwerke

Die Flugzeugführer wurden in einer eigenen Klasse und die Navigatoren zusammen mit ihren ungarischen Kollegen ausgebildet.

Dies war an der Fliegerschule des RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) eine normale Sache. Sie wurde von den Mitgliedsländer finanziert und Lehrsprache war Russisch.

Und so sah das Type-Rating damals aus:

48 Stunden:  Besonderheiten der Aerodynamik bei hohen Geschwindigkeiten und praktische Aerodynamik des Flugzeuges,

68 Stunden: Konstruktion und Betrieb des Flugzeuges,

42 Stunden: Funkausrüstung,

30 Stunden: Geräteausrüstung

Die fliegerische Ausbildung fand statt vom 1. bis 18.10.1968. Der Fluglehrer .Gerassimow kümmerte sich um die fliegerische Ausbildung. Seine langjährigen Flugerfahrungen sammelte er auf de Flugzeugtypen TU-104, TU-124 und der TU-134.

Zurück aus .Uljanowsk begannen die Instrukteure mit der theoretischen und praktischen Ausbildung der hauptsächlich von der AN-24 Staffel stammenden Besatzungen.

Am 1. Oktober 1968 traf die erste TU-134N mit dem Kennzeichen DM-SCA, in .Berlin ein. Die DM-SCB (Kosename „.Charly .Bommel“) folgte am 18. Oktober nach.

Im Zeitraum von Oktober bis Dezember 1968 fand der erste eigenständige Umschulungslehrgang für .INTERFLUG Besatzungen in .Berlin .Schönefeld statt.

Der erste Schulflug mit einer TU-134N (DM-SCB) der .INTERFLUG fand am 12. November 1968 unter der Leitung des Kommandanten R. .Heinig statt. Bis zum Jahresende waren für die Ausbildung auf die TU-134 drei Fluglehrerlizenzen verfügbar. So konnte 1969 die Kommandantenausbildung beginnen.

Die ersten Kommandanten wurden:

.Metzger (später Staffelleiter), .Streit, .Gemeinhard, .Nembach (ebenfalls später Staffelleiter) .Wünschmann und .Krüger.

Die Flugschulung verlief ohne besondere Schwierigkeiten, wenn man davon absieht, dass die Flugzeugbereitstellung für die Ausbildung immer schwieriger wurde, da alle bis dahin vorhandenen vier Maschinen im Linieneinsatz waren.

Was waren die ersten Erfahrungen?

1. Das Triebwerk D-30 war nicht einfach in der Bedienung,
2. Die Signalisation des Flugbelasters (Booster) durch eine rote Lampe am Boden war normal (In Moskau wurde deshalb ein Flug abgebrochen),
3. Es gab viele Reifenzerstörungen, welche den Piloten angelastet wurden, bis man auf ein zeitweiliges Versagen des Entbremsautomaten (ABS) stieß,
4. Es kam zu Beschädigungen der Fahrwerksgondeln, deren Ursachen erst nach langen Suchen gefunden wurde, wobei selbst das OKB (Konstruktionsbüro .Tupolew) vor einem Rätsel stand,
5. Die Gewöhnung an die hohe Geschwindigkeit bereitete allen Piloten und Navigatoren Schwierigkeiten und die Flugsicherung beschwerte sich des öfteren über die „großen Kurvenradien“,
6. Den umgesattelten Inlandspiloten von der AN-24 machte der internationale Sprechverkehr in Englisch einige Probleme,
7. Die Beherrschung der neuen Technik stellte die .Interflieger vor großen Schwierigkeiten, so dass es nicht selten vorkam, das alle vier Maschinen nicht einsatzbereit waren.
8. Durch die häufigen Typenwechsel klappte die Planung der Umläufe auch noch nicht so recht. So erfolgten auf den Strecken nach Beirut und Damaskus ein Vortransport der Besatzungen und es kam vor, dass Besatzungen eine Woche nur vor- und rücktransportiert wurden und nicht eine Flugminute aufzuweisen hatten.

Trotzdem erlangte die TU-134 bei den Passagieren einen guten Ruf.

Erstflüge in 1968

Datum Flugziel
19. November erster Streckenflug nach Erfurt
27. November zweiter Streckenflug nach Dresden
30. November erster internationaler Flug als Schulflug nach Moskau
05. Dezember erster Linienflug der TU 134 und der DM-SCA nach Zagreb und Belgrad
06. Dezember Erstflug nach Budapest
14. Dezember Erstflug nach Sofia
24. Dezember Erstflug nach Prag
 

 

 

Das Jahr 1969


 20 Jahre DDR und ein gutes Datum die TU-134 Staffel zu gründen

Im Januar 1969 wurde mit 38 .Interfliegern die TU-134 Staffel gegründet und die Ausbildung der ersten 6. Besatzungen aufgenommen.

Kommandanten 2. Flugzeugführer Navigatoren
.Metzger .Langrock .Albert
.Gemeinhardt .Schmidt W. .Naundorf
.Wünschmann .Zerbe .Weise
.Nembach .Waurick .Tauchen
.Krüger .Weber  
.Streit .Fritsch  

Am 5. Februar wurde erstmals eine TU-134 (DM-SCD) aus dem Herstellerwerk in .Charkow durch eine .INTERFLUG Besatzung abgeholt.
Am 21./22. Februar erfolgte ein technischer Flug Berlin-Dubrownik-Beirut-Nikosia-Dubrownik-Berlin.
Am 28. Februar begann der erste planmäßige Einsatz bei der Leipziger Frühjahrsmesse auf den Strecken von Leipzig nach Kopenhagen und Wien.

Ab April Beginn des planmäßigen Linieneinsatzes der TU-134. Mit Beginn des Sommerflugplanes können die ersten 3 Besatzungen im Liniendienst eingesetzt werden. Abschluss der Ausbildung der ersten 6 Besatzungen war am 01.06.1969. Am 01.08.1969 Indienststellung der vorerst letzten der 4 geplanten Flugzeuge mit der DM-SCH. Ab 01.10.1969 wird die TU-134 Staffel um weitere 23 Piloten und Navigatoren aufgestockt

Erstflüge in 1969

Datum Flugziel
2. April Erstflug nach Beirut
21. Mai Erstflug Berlin-Dubrownik-Beirut-Damaskus
09. Juni Erstflug Berlin-Malmö
21. November Charterflug für die Fußball Nationalmannschaft nach Neapel
 

 

 

Das Jahr 1970

Im Januar begann die praktische Ausbildung von 23 Umschülern von der An-24 auf die TU-134 /14 Flugzeugführer und 9 Navigatoren). Damals war das Kabinenpersonal noch in die Flugstaffel integriert und so ließt sich die Zusammensetzung der Staffel wie folgt:
Cockpit-Personal: 42 Mitarbeiter,
Kabinenpersonal: 22 Mitarbeiter,
Ingesamt also 66 Mitarbeiter.

Auch wurden Patenschaften innerhalb der .INTERFLUG abgeschlossen:
Besatzung .Gemeinhardt/.Wagner mit der IL-62 Staffel und Besatzung .Arndt mit der Flugsicherung.

Erstflüge in 1970

Datum Flugziel
18.-11. Januar Berlin-Khartoum über Dubrovnik, Al-Quahira (Kairo)
19. Juni Berlin-Graz
25. Juni Berlin-Amsterdam
01. Oktober Leipzig nach Budapest
03. November         Von Dresden nach Moskau
13. November Berlin-Wien
 

 

 

Das Jahr 1971


25 Jahre DDR und VIII. Parteitag der SED

Solche Ereignisse warfen nicht nur ihre Schatten voraus, sondern sie waren Anlass für alle möglichen Verpflichtungen und Auszeichnungen. So stand der 25. Jahrestag der DDR  bei der TU-134 Staffel unter folgender Losung: „Rationeller produzieren – Für Dich, für den Betrieb, für unseren sozialistischen Friedensstaat“.


Und die Staffel erhielt am 01. Mai erstmalig die Auszeichnung: „Kollektiv der sozialistischen Arbeit“.

Aber der Flugbetrieb ging natürlich weiter. So schlossen am 09. Februar weitere 9 Umschüler ihre Ausbildung auf die TU-134 ab. Damit war die Staffel auf 85 Mitarbeiter angewachsen. Im November wurde E..Tauchen Oberinstrukteur der Navigatoren. Am 11. Juni erfolgte ebenfalls die Inbetriebnahme der neun Einreisehalle in der Passagierabfertigung des Flughafen Berlin-Schönefeld. Am 26. Oktober wurde das Stadtbüro der .INTERFLUG im „Haus des Reisen“ in Berlin eröffnet und die Frachthalle auf dem Flughafen wurde eingeweiht.

Erstflüge in 1971

Datum Flugziel
16. März Erste Messesonderflüge von Leipzig nach Paris und Mailand
25. April Berlin-Oslo
19./21: Mai Sonderflug Berlin-Erfurt-Rom (CIA)
16. Juni Berlin-Constanta
09. Oktober Berlin-Rotterdam
06. November Sonderflug Berlin-Lyon
 

 

 

Das Jahr 1972


25 Jahre Deutsch-Sowjetische Freundschaft

Also wieder ein Ereignis und Anlass für Auszeichnungen. So wurde die .INTERFLUG mit dem Ehrentitel „Betriebskollektiv der DSF“ und die TU-134 Staffel als „Kollektiv der Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ ausgezeichnet. Auch wird in diesem Jahr der Grundstein für das Wohngebiet .Seegraben gelegt, wo viele .Interflieger wohnen werden und später das Ausbildungs- und Trainingszentrum der .INTERFLUG entstehen soll. Aber auch ein trauriges Ereignisse für die Piloten der TU-134. Am 23. Dezember stirbt der Konstrukteur der TU-134 , .Andrej .Nikolajewitsch .Tupolew.

Ausserdem Gründung der 3. Fluggruppe.

Erstflüge in 1972

Datum Flugziel
01. Juni Berlin-Brüssel
10. Juli Berlin-Warszawa
12./24. August Berlin-München
18. November Berlin-Tatry
 

 

 

Das Jahr 1973


X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Berlin

Also was liegt näher, als aus diesem Anlass eine gute Tat zu begehen. So wurde durch jeden Kollegen ein Flug nach Warschau als „Festivalflug“ abgerechnet und das damals noch gezahlte Kilometergeld auf das Festivalkonto überwiesen. In diesem Jahr fliegt die .INTERFLUG eine Regierungsdelegation mit der IL-62 nach New York, wo die DDR in die UNO aufgenommen wird. Und in .Schönefeld wird das Vorfeld so umgebaut, das 12 neue Standplätze für die TU-134 und IL-62 entstehen.

In diesem Jahr erhält die .INTERFLUG ihre ersten Maschinen vom Typ TU-134A und beginnt zum Jahresanfang die theoretische Umschulung auf dieses Muster. Damit beginnt ein weiterer Schritt in das neue Jet-Zeitalter, denn statt des Bremsschirmes kommt diese Maschine mit Umkehrschub, einem APU (Hilfsenergieanlage) und vielen anderen Neuerungen nach Berlin. Am 11. und 18. Mai werden so die ersten beiden Maschinen mit den Kennzeichen DM-SCI und DM-SCN von .Charkow nach Berlin überführt. Am 28. November folgen drei weitere Maschinen, aber noch vom Typ TU-134N, mit den Kennzeichen DM-SCE, DM-SCF und DM-SCG (Kosename- .Charly .Gerümpel).

Die Plandiskussion hinterlässt positive Folgen für die 2. Flugzeugführer. So wurde beschlossen, die Kategorie der 2. FF mit mehr als zur Planerfüllung notwendigem Personal aufzustocken, damit zukünftig alle Flüge mit einem 2. FF durchgeführt werden konnten. So wurden in der Vergangenheit für diese Position oft Kommandanten eingesetzt.

Erstflüge in 1973

Datum Flugziel
05. Juli: Berlin-Tunis (TU-134A)
 

 

 

Das Jahr 1974


25 Jahre DDR

Die TU-134 Staffel wird personell weiter aufgestockt.


Ausgebildet werden: 8 Kommandanten, 12 2.Flugzeugführer, 8 Navigatoren


Am 01. September  werden drei weitere TU-134 A in Dienst gestellt:
DM-SCT (Kosename – .Charlys .Tante),
DM-SCU,
DM-SCV
.

Erstflüge in 1974

Datum Flugziel
12. Februar Berlin – Stockholm - Borlange
10. März Leipzig - Frankfurt/Main
24. April Berlin - London
12. Mai Berlin - Sotschi
01. Juni Berlin-Milano
31. Oktober Berlin - Glasgow
10. Dezember Berlin - Hamburg
 

 

 

Das Jahr 1975


Diesmal kein guter Anlass

Am 01. September ereignet sich auf dem Flughafen .Leipzig ein folgenschwerer Luftfahrzeugunfall bei dem Tote zu beklagen sind und die DM-SCD zerstört wird.

Das Simulatortraining wird auf dem Simulator der .AEROFLOT in .Leningrad (St. .Petersburg) durchgeführt (später in .Riga).

Die .INTERFLUG erhält zwei neue TU-134A:
Am 31.10.1975 kommt die DM-SCK (Kosenamen- .Charly .Klumpen), und am 01.12.1975 kommt die DM-SCZ.

Erstflüge in 1968

Datum Flugziel
20. Mai Berlin - Genua
23. Mai Berlin - Zürich
10. Juni Berlin - Lissabon
 

 

 

Das Jahr 1976


Jahr der guten Qualität

In der Flugstaffel wurde ein „Qualitätspass“ eingeführt. Dazu wurden Umfangreiche Richtlinien erlassen, welche letztendlich eine qualitätsgerechte Flugdurchführung  zum Ziel hatten. Natürlich spielte der IX. Parteitag der SED dabei eine große Rolle.

Bei der Durchsicht dieser Richtlinien kann man sich ein gutes Bild von den politischen und fachlichen Zielen dieser „Initiativen zur Erhöhung der Qualität im Transportprozess –Qualitätsnachweis - Qualitätspass“ machen. Viele dieser Ziele aus den fachlichen Bereichen könnten sicher als zeitlos gelten. So erhielt jeder Pilot und Navigator einen solchen Qualitätspass, der nach Beendigung eines Fluges ausgefüllt werden musste. Dazu musste sich die Besatzung gegenseitig einschätzen.

Hauptpunkte der Einschätzung sollten sein:

·        Flugvor- und Nachbereitung

·        Flugdurchführung

·        Arbeitsdisziplin

Das Ziel so einer „Initiative“ war nicht mal unter den „Linientreuen“ Piloten der .INTERFLUG einfach zu erreichen. So musste eingeschätzt werden, dass die Arbeit mit diesem Qualitätspass nicht so richtig funktionierte und das Problem ideologisch schlecht vorbereitet war. Aber nach einiger Nacharbeit ging es Bergauf und andere Bereiche sollten dieser Initiative folgen. Vorerst wurde der Qualitätspass in Qualitätsnachweis abgeändert.

Es gab noch weitere „Initiativen“ in diesem Jahr. Da ich mich aber auf die fachliche Seite konzentrieren möchte, werde ich hier abbrechen und sollte es Interessenten geben, so richtet bitte eine Email an mich.

Am 01. April bekommt die INTERFLUG die TU-134 A mit der Kennzeichnung DM-SCX.

Zwischen dem 15. und 17. Juli erfolgt durch eine TU-134 ein Rettungsflug (Berlin-Stuttgart-Kabul) zur Rückführung einer Westberliner Reisegruppe, welche in der Nähe von Kabul bei Djallalabad einen Busunfall hatte. Dieser Flug erfolgte durch eine Aufforderung der Alarmzentrale der "Deutschen-Rettungsflugwacht“ in der BRD.

Dieser Flug verlangte den Organisatoren und Fliegern einiges ab. So wurden die 13.390 Flugkilometer werbewirksam unter den Augen und Kameras des ZDF, des Rundfunks und des „.Stern“ ohne technische Probleme gemeistert. Allerdings konnte man dann die übliche „Schlechtmache“ erleben und wen wundert’s, die Wende und damit „einig deutscher Vaterland“ war noch sehr weit weg!

Im Januar wurde auch noch die 4. Fluggruppe gebildet, welche aus 23 Mitarbeitern der .INTERFLUG bestand.

Erstflüge in 1976

Datum Flugziel
08. August Larnaka
06. Oktober Linie der Freundschaft“ nach Moskau
 

 

 

Das Jahr 1977


Beginn der CAT-II Einrüstung

Im Januar wird die 5. Fluggruppe gebildet.

Erstmals wird ein 2. FF direkt zum Kommandanten auf der TU-134 ausgebildet und nicht wie sonst über die Kommandantenausbildung auf der IL-18.

Beginn des Simulatortraining in .Riga bis 1979.

Im März führt die TU-134 Staffel 12 Solidaritätsflüge mit Hilfsgütern nach Bukarest für die Opfer der schweren Erdbebenkatastrophe durch.

Im Juni werden die Flugzeuge DM-SCM und DM-SCZ für die Betriebserprobung CAT-II umgerüstet.. Dazu erhielten 6 Besatzungen eine spezielle theoretische und flugpraktische Ausbildung. In der Erprobung wurden 180 Trainingslandeanflüge und 120 Anflüge im kommerziellen Einsatz erbracht.

Am 23. November wurde durch ein schweres Flugvorkommnis die DM-SCM zerstört.

Erstflüge in 1977

Datum Flugziel
23. Mai East Midlands
 

 

 

Das Jahr 1978


Orden und Block „F“

Der Staffelleiter, Flugkapitän .Metzger, erhält die „Verdienstmedaille der DDR“ für seine langjährige Tätigkeit und die Besatzung des Flugkapitän .Stiebritz bekommt den Orden „Banner der Arbeit“ für eine fliegerische Meisterleistung.

Neue Bezeichnung: "Flugkapitän": Diese Ehrenbezeichnung wurde den fähigsten Kommandanten verliehen. Dies war im Gegensatz zu heute ein Ehrentitel, mit dem sich nicht alle Kommandanten schmücken konnten. Natürlich wurde neben der rein fachlichen Bewertung auch das Verhalten entsprechend der damaligen gesellschaftlichen und politischen Normen der DDR zur Bewertung herangezogen.

Am 30. April wird eine neue Dienstbekleidung (Neu „Fliegerbekleidung“) eingeführt.

Am 5. Juni wurde der Block „F“, in welcher die Einsatzzentrale des fliegenden Personals der .INTERFLUG untergebracht war, an den Flugbetrieb übergeben.

Für die DDR typisch, wurden ein großer Teil der Arbeitsleistungen durch die Nutzer selbst erbracht.

Die TU-134 Staffel erhielt im Block „F“ 6 Räume.

Erstflüge in 1978

Datum Flugziel
17. Juni Berlin - Larnaka (Direktflug)
 

 

 

Das Jahr 1979


30 Jahre DDR und 10 Jahre TU-Staffel

Die TU-134 Staffel nimmt einen festen Platz in der .INTERFLUG ein und hat einen guten Ruf bei den Passagieren im In- und Ausland.

Natürlich haben auch 30 Jahre DDR eine Initiative erhalten und so wird die TU-134 Staffel als  „Bestes Kollektiv“ im Wettbewerb ausgezeichnet, welcher unter dem Motto stand „Flugauftrag DDR – 30“.

Im Januar kauft die .INTERFLUG ihren eigenen TU-134A Simulator.

Am 22. Mai wird die DM-SCS in Dienst gestellt.

Am 27. Juli wird in der Werft das Dock 2 für die TU-134 in Betrieb genommen.

Erstflüge in 1979

Datum Flugziel
1. April Berlin – Leningrad – Berlin
2. April Berlin – Budapest – Tirana
(Umstellung von IL-18 auf TU-134)
15. Mai Dresden – Sofia
21. Mai Leipzig – Burgas
29. Mai Dresden – Burgas
02. Juni Berlin – Athen – Berlin
28. Juli Erster Charterflug Berlin – Dublin mit der TU-134
9. September Messesonderverkehr Leipzig - Athen
 

 

 

Das Jahr 1980


Kurs 80 und Olympiade in Moskau

Wieder ist ein Höhepunkt im politischen Leben (X. Parteitag der SED) Anlass für eine Verpflichtungsbewegung mit dem Namen „Kurs 80“.

Auch steht die Sommerolympiade in Moskau auf dem Programm. Das Sonderflugprogramm für die Aktiven führte nach .Moskau, .Leningrad, .Tallin, .Kiew und .Minsk.

Am 30. Mai war der neue TU-134 Simulator montiert und am 01. September konnte er in den technische Betrieb übernommen werden.

Am 04. Juni ist die Indienststellung der DM-SCR.

Am 20. Dezember verhindert die Besatzung unter Flugkapitän .Kretschmar einen terroristischen Anschlag auf ihr Luftfahrzeug. Für diese Tat wird ihnen am 07. Oktober 1981 der „Vaterländische Verdienstorden“ verliehen.

Erstflüge in 1980

Datum Flugziel
22. März Erstflug mit TU-134 nach Heraklion
03. April Berlin – Stockholm – Helsinki
18. April Berlin – Brüssel
30. April Erster Flug mit TU-134 nach Madrid
12. Mai Dresden – Varna
28./29. September Erstflug Berlin – Edinburgh mit TU-134
05. November Berlin – Rom
 

 

 

Das Jahr 1981


X. Parteitag und Flugkraftstoff sparen

Ein Sonderflugprogramm vom 08.-19. April ist die Folge des Parteitages.

Ab dem 29. Januar kann in Berlin-Schönefeld unter den Bedingungen der Betriebsstufe CAT II gelandet werden.

Am 10. Juni wird das erste mal die „.Otto .Lilienthal“ Ehrenplakette an 6 Mitglieder der TU-134 Staffel verliehen.

Am 2. Juni treffen vietnamesische Stewardessen ein, welche auch auf der TU-134 ausgebildet werden.

Am 19. August wird der Forschungsauftrag „Gesunde Fliegerernährung“ abgeschlossen. 16 Mio. Mark der DDR kostete dieser Forschungsauftrag, in dessen Umsetzung spätestens alle 2 Stunden ein Imbiss an die Piloten gereicht werden musste.

Die TU-134 Staffel erhält eine Prämie in Höhe von 14.500,- Mark für einen effektiven Krafftstoffverbrauch.

Jetzt wird gespart und das hat die verschiedensten Folgen:

·        Durch eine konsequente Nachfrage bei der Flugsicherung und Nutzung von Abkürzungen konnten die Flugzeiten verkürzt und damit Kraftstoff gespart werden. Dadurch kommt es mit der Zeit zur Reduzierung der Normflugzeiten und in Folge zur Verringerung der Bezahlung (Grundgehalt +Flugzulage), da zu dieser Zeit die Flugzulage nach Normflugzeit bezahlt wurde. Durch „konsequente Nichtnutzung“ wurde später wieder der alte Zustand hergestellt.

·        Neue Verfahren für die Kraftstoffberechnung werden entwickelt und im Liniendienst getestet. Dazu werden später (siehe auch 1984) programmierbare Rechner von HP eingesetzt. Bei der ersten Generation musste der Rechner für jedes Programm per Magnetstreifen neu Programmiert werden, was bei der nächsten Generation durch genügend Speicher wegfiel.

·        Die Verfahren zum Steig- und Sinkflug waren sehr effektiv und hatten nur den Nachteil, wenn z. B. der Punkt zum effektiven Sinkflug zur Landung (Top of Descend -TOD oder T/D) erreicht war und die Flugsicherung nicht mitspielte, glich der verbleibende Anflug einem „gesteuertem Absturz“.

Erstflüge in 1981

Datum Flugziel
14. April Erstflug Berlin – Rhodos mit TU-134
30. Mai Erstflug Berlin-Nürnberg mit der TU-134
22. Juni Erstflug Berlin – Thessaloniki mit TU-134
 

 

 

Das Jahr 1982

Ab dem 01. März wurde das gemeinsame Ausbildungszentrum der Luftfahrtgesellschaften der RGW – Staaten in .Uljanowsk durch die .INTERFLUG genutzt.

Erstflüge in 1982

Datum Flugziel
01. März Berlin – Ljubiljana – Tripolis
 

 

 

Das Jahr 1983


Karl Marx Jahr

Der „Qualitätspass für hervorragende fliegerische Leistungen“ wird erstmalig in Form einer Urkunde an 33 Mitglieder der TU-134 Staffel verliehen.

Am 6. April wird das Bereitschaftsgebäude des fliegenden Personals am Flughafen .Dresden/.Klotsche eröffnet. Damit beginnt auch für viele TU-134 Besatzungen die verstärkte Übernachtung in .Dresden, welche sich später wochenweise mit der Übernachtung in .Halle abwechselt.

Ab dem 07. Oktober wird zur Sichtbar-Machung des Titels Flugkapitän das Funktionsabzeichen für Piloten – Stern am Ärmel der Uniform – mit einem goldfarbig gestickten Lorbeerkranz versehen.

Erstflüge in 1983

Datum Flugziel
23. März Berlin - Tunis
26. März Berlin – Valencia
17./18. August Berlin – Agadir
 

 

 

Das Jahr 1984


Neue und höhere Anforderungen

Als Reaktion auf die ersten Fliegerkonferenz mit dem Generaldirekter der .INTERFLUG zu fliegerischen Problemen und der Flugsicherheit kommt es zu vier Verpflichtungen.

Neben den politischen Inhalten sind die „3. und 4. Verpflichtung“ den fachlichen Bereichen gewidmet. Interessehalber seien diese beiden Verpflichtungen wörtlich wiedergegeben:

3.     „Wir werden uns alle sich aus der stürmischen Entwicklung der Wissenschaft und Technik für unsere fliegerische Arbeit ergebenden Erkenntnisse, Erfahrungen, neues Wissen und Können schnell, ständig und schöpferisch aneignen und nutzen, um unsere fliegerische Meisterschaft und hohe Flugsicherheit zu erhalten und zu vervollkommnen, um nur klug und entschlossen handeln zu können, so kompliziert die entstandene Lage auch sein mag.“

Das könnte der Schwur von 007 sein, war aber nur eine Form des Aufrufes die „Wissenschaftliche - Technische Revolution“ zu nutzen und mitzubestimmen.

4.     „Wir wissen, dass der höchste volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Effekt im Weltluftverkehr nur von einer Luftverkehrsgesellschaft zu erreichen ist, die komplex die internationalen Kundenforderungen zu günstigen kommerziellen Bedingungen erfüllt, die fliegerische und flugtechnische Meisterschaft demonstriert, die pünktlich  und sicher fliegt, die ihre Passagiere vor Terroristen schützt, sie höflich und aufmerksam behandelt, sie allseitig informiert und ihnen bei Problemen hilft. Eine solche Fluggesellschaft muss die .INTERFLUG werden.“

Welche Fluggesellschaft würde sich nicht wünschen, solch eine Einschätzung zu bekommen.

Der „Qualitätspass 1984“ wird an 38 Kollegen der TU-134 Staffel verliehen.

Im April wird die DDR-SCH ausserdienst gestellt und ist vorgesehen als Ausbildungsobjekt für Flugzeugmechanikerlehrlinge.

Am 1. Mai wird der technologische Bordrechner (programmierbarer HP Rechner) auf der TU-134A eingeführt. Hauptziel ist die Flugkraftstoffeinsparung.

Aber auch alle anderen Berechnungen werden durch diesen Rechner einfacher und schneller. So muss die Landeberechnung nicht mehr langwierig und fehlerbehaftet aus doppelseitigen Grafiken herausgelesen werden (TODA, TORA, ASDA, LDA).

Erstflüge in 1984

Datum Flugziel
1984 Edinburgh (GB)
1984 Glasgow (GB)
1984 Manchester (GB)
1984 Aldergrove (GB)
1984 Birmingham (GB)
1984 Liverpool (GB)
1984 Gatwick (GB)
1984 Palese Macchie (Italien)
1984 Queen Alia Intl (Jordanien)
1984 Lissabon (Portugal)
01.10.1984 Göteburg (Schweden)
 

 

 

Das Jahr 1985

Die .INTERFLUG fliegt DDR Bürger an deren Arbeitsplätze. Das war der „Fernberufsverkehr“.

So wurde mit Baubeginn der Erdöltrasse „.Druschba“ (An der .Baikal–.Amur–Magistrale hatte der zentrale Jugendverband (FDJ) den Bauabschnitt an der Westgrenze der .UdSSR übernommen.) der Flugverkehr auch mit der TU-134 nach .Kiew, .Moskau, .Lwow und .Kriwoi .Rog durchgeführt.

Ebenso flog die TU-134 die Besatzungen der Fischfang- und –verarbeitungsflotte der Nordsee-/Nordatlantikflotte von und zu den Häfen nahe der Fanggebiete. Das waren unter anderem Glasgow und Prestwick (PIK).

Am 1. Mai erhalten vier Kommandanten den Ehrentitel „Flugkapitän“. Somit erhielten zwischen dem 07. Oktober 1963 bis zum 1. Mai 1985 34 Kommandanten der TU-134 den Ehrentitel „Flugkapitän“.

Den „Qualitätspass“ erhalten 40 Mitarbeiter der TU-134 Staffel.

Die Anzahl der „Flugmillionäre“ (geflogene Flugkilometer) wächst ständig.

Flugmillionäre

Über 6 Mio. km

Über 7 Mio. km

Über 8 Mio. km

Über 9 Mio. km

20 Piloten

12 Piloten

4 Piloten

4 Piloten

 

 

 

Fortsetzung folgt ....

 
(c) Digitale Umsetzung H..Willwock & H. Tikwe

nach oben