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AN-24 – noch eine
Liebeserklärung
von .Daniel .Frohriep-.Ichihara
Je nachdem, welcher Generation man angehört, wird
man den Namen des Antonov Design Büros, benannt nach
seinem Gründer Oleg Konstaninovitsch Antonov (1906 –
1984), einem gebürtigen Moskauer, entweder mit der
AN-2, der AN-24 oder dem Synonym für das größte je
in der Welt gebaute Flugzeug, der AN-225, verbinden.
Am Himmel des Jahres 2005 sind Generationen von
AN-Flugzeugen zu sehen, mit einer Bandbreite von
Bienchen bis Gigantäus, von 2. Weltkrieg bis
Internet, von Stalin bis Putin, ein Nebeneinander
zeitloser Flugzeuggenerationen eines einzigen
Herstellers, das wohl einzigartig ist in der
Geschichte der Flugzeugentwicklung. Diese Logik 1:1
auf Generationen westlicher Flugzeughersteller
übertragen, hieße, dass sich im Jahre 2005 sowohl
der Stratocruiser B 337 sich den Himmel mit der B
777-300, die DC-3 mit der MD-11 und die Caravelle
mit der A-380 teilen würden.
Wie die Biographien der anderen sowjetischen
Flugzeugkonstrukteure auch, wurde Oleg Antonows
Leben durch die aufstrebende Sowjetmacht, einem
verheerenden Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution,
den Erfahrungen von Hitlers Vernichtungskrieg und
Stalins Diktatur entscheidend geprägt, und damit war
das Primat der Flugzeugentwicklung in der
Sowjetunion jener Zeit immer zunächst die
militärische und volkswirtschaftliche Komponente.
Mit meinem Konstruktions- und Baujahr 1963 schlägt
mein Herz für die AN-24, einem robusten
zweimotorigem – Turboprop-Verkehrsflugzeug - , das
bereits 1956 analog zur IL-18 jenseits jedweder
Schlagzeile entwickelt wurde und 1960 relativ
unbemerkt von der Weltöffentlichkeit seinen Erstflug
absolvierte. Allein diese Tatsache dürfte böse
Zungen widerlegen, die von einem Abkupfern der
Fokker F-27 sprechen. Ähnlich wie die IL-18, war
auch die AN-24 nach Kriterien der Langlebigkeit,
Wirtschaftlichkeit und Komfort entwickelt und in
erster Linie für den Einsatz auf Kurzstrecken
konzipiert worden, geeignet für den Dauereinsatz auf
nicht befestigten Flugplätzen in nur schwer
zugänglichen Regionen. So selbstverständlich wie
unauffällig, wie die AN-24 – gedacht als Ablösung
für die in die Jahre gekommene IL-14 mit der
Technologie und Generation der Kriegsjahre -, die
Bühne der sowjetischen Luftfahrt betrat, so
selbstverständlich und unauffällig bildet sie auch
heute noch, wie vor 50 Jahren, mangels geeigneter
Nachfolgeralternativen das Rückrat des Güter –und
Personentransports in vielen entlegenen Teilen der
GuS. Mit einer Stückzahl von 1100 gebauten
Exemplaren und einer - nicht auf
Konstruktionsfehlern bedingten – Verlustquote von
10%, stellt die AN-24 in ihren verschiedensten
Versionen und Modifikationen ganz andere als
zunächst beabsichtigte Rekorde auf.
Für Interflug sollte die Ende 1965 völlig
unspektakulär als Nachfolgermuster für die IL-14 in
den Liniendienst gestellte AN-24, zunächst
Kapazitätsengpässe füllen zur Bedienung von In-und
regionalen Auslandsstrecken, für die die IL-18 zu
groß war. Allerdings war in einem Land wie der DDR,
das permanent an den Bedürfnissen der Bevölkerung
vorbeiplante und –produzierte, das Einsatzspektrum
viel zu schmal, um jemals wirtschaftlich eingesetzt
werden zu können. Die Erkenntnis schien neu, dass
der Bäderverkehr nur im Sommer stattfindet, und
Schönefeld in der Mitte des Landes liegt, statt an
der geographischen Peripherie wie Warschau, Sofia
oder Bukarest. Für Interflug eine krasse
wirtschaftliche Fehlentscheidung. Viele neu
eingestellte Crews hingegen erhielten auf der
gutmütigen AN-24 ihre Pilotenzulassung, viele
Zeitgenossen meiner Generation verbinden mit der
„Ente“ auf einem Rundflug über Berlin, oder einem
Flug an die Ostsee ihr erstes Flugerlebnis, das sie
nie vergessen werden. Für mich war die AN-24 immer
die „kleine IL-18“. Derselbe Duft, dieselben
„Bullaugen mit Omas Gardinenstange“, dieselben
Einstiegsluken, ähnlicher ohrenbetäubender Sound im
vorderen Teil der Kabine, den ich nie wieder
vergessen kann, vor allem dann, wenn man nach
Budapest gute zwei Stunden nonstop unterwegs ist!
Umso bestürzter war ich, dass 1976 - im Jahr der
Eröffnung des neuen Terminals in SXF – die AN-24
sang- und klanglos vom Himmel Berlins verschwanden
und ein so vertrauter Sound auf DDR-Flughäfen für
immer der Vergangenheit angehören sollte. Der Mangel
an Farbfotos und Innenaufnahmen der AN-24 in
offiziellen Publikationen ist ein Indiz dafür, dass
Interflug alles andere als stolz auf ihr „Entenbaby“
gewesen sein musste. Ich bereute es, nicht schon
Ende der 60er Jahre Logbuch geführt, und die
Flugdaten meiner Interflug AN-24 Flüge akribisch
gesammelt zu haben. Auch hatte ich komplett
vergessen, wie eine Interflug AN-24 von innen
aussah, bis dieser Tage wie aus heiterem Himmel das
nicht mehr für möglich Gehaltene eintrat.
Einzigartige historische Fotodokumente von .Gabi
.Rauschenberg tauchten wie aus dem Nichts auf, die
nun dank .Hennings liebevoller Nachbearbeitung auf
dieser Seite einen gebührend würdigen Platz bekommen
sollen.
Wie um mein „Dokumentationsdefizit“ zu kompensieren,
nahm ich, seitdem ich im Besitz meiner ersten
Videokamera bin, jede sich bietende Gelegenheit
wahr, die AN-24 auf zahlreichen Flügen auf Video
aufzunehmen, bis ich es unverhofft im November 1998
doch noch schaffte, zwei Flüge an Bord der LZ-ANL,
ehemals DM-SBA komplett aus dem Cockpit heraus zu
filmen. Ich fühlte mich zumindest teilweise für
meine Versäumnisse in den 60er Jahren wieder
rehabilitiert. Heute steht die DM-SBA, diese treue
Seele auf dem Flughafen Burgas und genießt ihre
wohlverdiente Fliegerrente, ein allemal
würdevolleres Schicksal, als ihre Schwestern, die
heute in der Tropenhitze von Saigon oder Hanoi
gnadenlos vor sich hinrotten.
Die Glanzzeit der AN-24 der 60er Jahre ist für immer
vorbei, die letzten Exemplare fliegen hauptsächlich
wieder dort, wo sie einst herkamen : Den großen
Weiten Sibiriens und der Tundra.
Doswidanya i s bolschoye tebje spassibo !! |